KONZEPT FÜR DEN WALDKINDERGARTEN

des Hofkinder e. V. Tangsehl

– Einleitung
– Pädagogische Ziele
– Pädagogische Inhalte, Umsetzung und Methoden
– Tagesablauf, Angebote und Projekte
– Gesundheitsprävention im Wald- und Hofkindergarten
– Förderung der Vorschulkinder
– Integrativer Ansatz
– Zusammenarbeit mit den Eltern
– Professionalität der pädagogischen Arbeit
– Rahmenbedingungen
– Personelle Ausstattung
– Räumlichkeiten
– Waldgebiet

Einleitung

Der Waldkindergarten des Hofkinder e. V. ist in einem Waldstück des Demeterhofes Tangsehl zu Hause.
Dort erfahren die Kinder die Zusammenhänge der Natur mit ihren jahreszeitlichen Kreisläufen. Sie können eine intensive Beziehung zu den Pflanzen und Tieren entwickeln, in Wald, Wiese, Bach und auf dem Hof.
Freude und Begeisterung werden durch die sie umgebende Natur (die Elemente Erde, Wasser, Luft und Licht im Zusammenklang mit Pflanze, Tier und Mensch) geweckt.
Durch den Aufenthalt im Wald erleben die Kinder die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Pflanze, Tier und Mensch, sie erfahren sich als Teil vom Ganzen.
Liebe und Achtsamkeit zu Tier und Pflanze bilden die Grundlage für verantwortliches Handeln.

„Ich schütze und sorge mich um das, was ich kenne und liebe.“

Das Gelände bietet eine große Waldfläche, Wiesen und einen Bachlauf. Diese schaffen reichhaltige Möglichkeiten für Spiel, Bewegung und Kreativität der Kinder.
An einzelnen Projekttagen erleben die Kinder den Hof Tangsehl mit seinen vielen Tieren, dem Garten – und Ackerbau.
In der kleinen Gruppe von 15 Kindern können wir den individuellen Bedürfnissen jedes Kindes gerecht werden. Die Gruppengröße ermöglicht auch die Eingliederung betreuungsintensiver Kinder, die in größeren Gruppen überfordert wären.

Pädagogische Ziele

Ziel unserer Arbeit ist es, dass sich die körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte der Kinder ausgewogen und allseitig entwickeln können. Alle Sinne der Kinder sollen angesprochen und gepflegt werden.
Der Aufenthalt im Wald und das Mitwirken bei verschiedenen Projekten auf dem Hof, ein ständiges Wahrnehmen der arbeitenden Menschen ringsumher, Jahreszeitenfeste und das Aufarbeiten all dieser Erlebnisse in Reigenliedern und Sprüchen ermöglicht den Kindern eine intensive Auseinandersetzung und Verarbeitung der natürlichen Lebenszusammenhänge.
Die Natur bietet reichhaltige Möglichkeiten an Spielmaterialien. Die Kinder konsumieren nicht, sondern können selbst kreativ sein, sich ständig auf neue Situationen einstellen und dafür Lösungen finden. Das fördert Kreativität, Phantasie und soziales Miteinander.
Im direkten kontinuierlichen Kontakt mit der Natur, den Tieren und den arbeitenden Menschen auf dem Hof üben die Kinder Umsichtigkeit und Rücksicht, erleben Vertrauen und Mut in die eigenen Fähigkeiten, aber auch ihre persönlichen Grenzen. Vertrautheit heißt sich „zu Hause“ fühlen, woraus auch später die Verantwortung wächst.
Die primäre pädagogische Kraft ist die Natur und deren intensives Erleben selbst. Durch den weitläufigen Raum, die Stille im Wald, den unmittelbaren Kontakt zu den Pflanzen und Tieren werden die Kinder in der Entwicklung ihrer emotionalen Stabilität, ihrer Konzentrationsfähigkeit und Ausgeglichenheit angemessen unterstützt.

Pädagogische Inhalte, Umsetzung und Methoden

– Rhythmus und Wiederholung
– Vorbild und Nachahmung
– freies Spiel und Spielzeug
– Ernährung
– Sinnespflege
– Soziales Lernen
– Naturnähe

Rhythmus und Wiederholung

Der Tages- und Wochenlauf ist durch Wiederholung und einen klaren Rhythmus geprägt. Eingebettet ist dieser in die Jahreszeiten und die Feste. Durch Reigen, Lieder und Sprüche vertiefen wir die äußeren Rhythmen zu innerem Erleben. Dieses gibt den Kindern Sicherheit, Orientierung und Hülle: eine ordnende Beruhigung in der Reizüberflutung der heutigen Zeit.

Vorbild und Nachahmung
Die Entwicklung des Kindes wird von seiner unmittelbaren Umgebung beeinflusst.
Kinder lernen in diesem Alter durch das Nachahmen, über das „Be-Greifen“ der Dinge, das eigene Erleben, das Tätigsein.
Vorbilder sind die Erzieher mit ihrer inneren und äußeren Haltung.
So wird nicht mit dem Intellekt gelernt, sondern die Zusammenhänge werden durch das nachahmende Tun im Bildhaften erfasst und das Leben in seiner Ursprünglichkeit aufgenommen.

Freies Spiel und Spielzeug

Im freien Spiel haben die Kinder die Möglichkeit, eigene Ideen phantasievoll umzusetzen, sowie Erlebtes nachzuahmen und dadurch zu verarbeiten. Der Aufenthalt in der Natur bietet reichhaltige Anregungen für das freie Spiel.
Alles von uns mit den Kindern gemeinsam in der Natur gesammelte, wie z.B. Kastanien, Wurzeln, Hölzer, Kerne und Rinde, das Wasser, die Erde kann zum Spielzeug werden. Alles wird lebendig und hat eine eigene Seele. Das Spielzeug ist wenig ausgestaltet, um die Phantasie und Kreativität des Kindes anzuregen.

„Nun horch mein Kind, es ruft der Wald,
ich freu mich schon, du kommst ja bald.
Dann zeig ich meine Wunder Dir:
Stein, Bächlein, Pflanze und das Tier.“

Ernährung

Wir bieten eine vollwertige Ernährung an mit möglichst biologisch-dynamischen Lebensmitteln. Wir achten auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien.
Die unmittelbare räumliche Nähe zum Bauernhofalltag (Säen, Pflegen, Ernten, Verarbeiten) und das gemeinsame Zubereiten des Frühstücks mit den Kindern schafft einen Bezug zu den Nahrungsmitteln. Mit dem gemeinsamen Frühstücken würdigen wir Pflanze, Tier und das Schaffen des Menschen.

Ein Mensch hat`s gepflanzt
Der Wind hat`s umtanzt
Das Wasser beregnet
Die Sonne gesegnet
Da danke mein Kind
Dem tanzenden Wind
Dem tropfenden Regen
Dem wärmenden Segen

Sinnespflege

Wir legen Wert auf eine umfassende Sinnespflege. Dazu gehört die Anregung der zwölf Sinne: Tastsinn, Gleichgewichtssinn, Lebenssinn, Eigenbewegungssinn, Geruchssinn, Geschmackssinn, Sehsinn, Wärmesinn, Gehörsinn, Wortsinn, Gedankensinn und Ichsinn.
Wald, Feld, Bach und Spaziergänge in die nähere Umgebung laden ein zum Sammeln, Schauen und Bauen, zum Klettern, Balancieren, Graben, Buddeln, im Sand und Matsch spielen, Schaukeln und Rutschen.
Alle Sinne werden auf vielfache Weise angesprochen.
Durch die Sinnespflege entwickelt sich der Wille, die Selbstwahrnehmung und dadurch ein gesundes Selbstbewusstsein bei den Kindern.

Soziales Lernen

Im Zusammenleben in der Gruppe erfahren die Kinder soziale Werte wie Respekt, Toleranz, Rücksicht, Hilfe gegenüber Anderen, gewaltlosen Umgang miteinander, kreative Konfliktlösungen, Regeln und Grenzen.
Bedürfnisse, Befindlichkeiten und Fähigkeiten aller Kinder treffen und berühren sich, ergänzen und bereichern sich. Jedes Kind kann erfahren, dass es wichtig ist und wertgeschätzt wird.
Die kleine Gruppe fördert dieses uns wichtige soziale Lernen.

Naturnähe

Das Eintauchen in die natürlichen Zusammenhänge lässt das Kind seinem Wesen nach wachsen und die im Kinde vorhandenen Fähigkeiten und Möglichkeiten zur Entfaltung bringen. Dies geschieht durch das miteinander Tätigsein in Wald und Feld, und bei den Tieren auf dem Hof.
Die vollwertige Ernährung, Naturmaterialien als Spielzeug und ökologische Baustoffe sind für uns eine grundlegende und gesunde Voraussetzung.

Tagesablauf, Angebote und Projekte

Den Tagesablauf strukturieren immer wiederkehrende Elemente:
– Gemeinsamer Morgenkreis mit Lied und Spruch zur Jahreszeit
– Reigen mit Spielen, Tänzen und Liedern je nach Jahreszeit
– Gemeinsames Frühstück
– Gemeinsamer Abschluss mit Lied, Spruch oder Märchen
Ergänzend zu unseren Aufenthalt im Wald können auf dem Hof Projekttage gestaltet werden, z. B. Mithilfe bei der Ernte, einen Tag im Kuhstall, Feldarbeit mit dem Pferd etc.
Die Jahresfeste werden mit Kindern und Eltern gemeinsam gestaltet und gefeiert.

Gesundheitsprävention im Wald- und Hofkindergarten

Der Aufenthalt in der Natur (viel frische Luft, alle Wetterlagen draußen erleben) und auf dem Hof (Auseinandersetzung mit vielen verschiedenen Keimen) stärkt das Immunsystem
Bewegung in der Natur, der unmittelbare Kontakt zu den Pflanzen und Tieren hilft Stress abzubauen
Geringe Lärmbelästigung, weniger Reizüberflutung
Erlebnis von Stille, das Lauschen auf die Geräusche im Wald, Bach, Feld und bei den Tieren fördert Ausgeglichenheit und Konzentrationsfähigkeit
keine künstlichen Sinneseindrücke (Farben, Materialien, Geräusche, Gerüche)
Verschiedene natürliche Untergründe, Klettermöglichkeiten zum Spielen, Balancieren und Toben bieten vielfältige Anregung
geringere Ansteckungsgefahr durch den Aufenthalt draußen, viel frische Luft
Prävention von Allergien
Prävention von Bewegungsmangel und Haltungsschäden , Übergewicht, fehlende Stimulierung der Basalsinne, Suchtverhalten (durch Fernsehen, Computer, sitzende Tätigkeiten, passives Konsumieren…) > Folge kann Dyskalkulie und Legasthenie sein
Prävention von stressbedingten Krankheiten durch Reizüberflutung

Förderung der Vorschulkinder

Vorschulische Maßnahmen beinhalten die ganzheitliche Förderung in allen Bereichen
– der Wahrnehmung
– der kognitiven Ansprache
– der Bewegung
– der Sprache
– der emotionalen und sozialen Entwicklung

Zusammenarbeit mit den Eltern

Es wird eine vertrauensvolle, enge Zusammenarbeit mit den Eltern angestrebt. Dazu gehören:
– Elternabende
– Elterngespräche
– Mitarbeit der Eltern bei der Instandhaltung und Renovierung des Bauwagens
– Gestaltung und Ausrichtung der Feste
– Mitgestaltung der Elternabende z.B. zu einem bestimmten Thema
Wir wünschen uns eine Erziehungspartnerschaft zwischen den Eltern und Erziehern, die ein gleichwertiges Nebeneinander der familiären Erziehung und der pädagogischen Arbeit im Kindergarten beinhaltet. Eine partnerschaftliche Grundhaltung schließt Differenzen und Konflikte nicht aus, sondern legt Toleranz und Achtung vor dem Anderen nahe.

Professionalität der pädagogischen Arbeit

Neben den Betreuungszeiten organisieren wir uns mit wöchentlichen pädagogischen Konferenzen (Informationsaustausch, Reflexion und Planung der Arbeit), Kinderbesprechungen, Fort- und Weiterbildung, Elternabenden und Elterneinzelgesprächen, gegebenenfalls Hausbesuchen, ggfls. Zusammenarbeit mit Therapeuten, Ärzten, Beratungsdiensten, Qualitätssicherung durch Tagesberichte,
Vor- und Nachbereitung der Arbeit.

Rahmenbedingungen

Alter der Kinder: 3 bis 6/7 Jahre (Schuleintritt)
Größe der Gruppe: 15 Kinder
Öffnungszeiten: Montags – freitags 7.45 – 12.45 Uhr
Kernzeit: 8.00 – 12.00 Uhr
Schließzeiten: 3 Wochen im Sommer während der Niedersächsischen Schulferien und 2 Wochen über Weihnachten / Jahreswechsel und an Feiertagen
Elternbeiträge: 145,- €
(Ermäßigung für Geschwisterkinder)
Das Kindergartenjahr beginnt am 01.08. des Jahres und endet am 31.07. des darauffolgenden Jahres.

Aufnahme: Die Entscheidung zur Aufnahme der Kinder geschieht nach pädagogischen Gesichtspunkten und wird vom Kollegium und dem Vorstand des Vereins einmütig entschlossen.
Anmeldung: Rechtsgültig wird eine Anmeldung bei schriftlicher Bestätigung.
Die Abmeldung vom Kindergarten kann nur zum Ende eines Quartals erfolgen und muss 8 Wochen vorher schriftlich ausgesprochen werden.
Mit der Unterschrift des Kindergarten-Vertrages erklären sich die Erziehungsberechtigten einverstanden mit dem Konzept der Einrichtung und deren pädagogischer Ausrichtung.

Personelle Ausstattung

Ein/e Erzieher/in
Ein/e Sozialpädagoge/in
Zeitweise eine Hilfskraft ( Elternteil, Praktikant , Zivi o.ä.)
Vertrungskräfte im Krankheitsfall

Räumlichkeiten

Schutzraum auf dem Hof Tangsehl

Waldgebiet

Der Tangsehl e.V. stellt uns ein Waldstück zur Verfügung, mit Bauwagen und Toilettenhäuschen.